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WikiLeaks: Gralsbringer oder Feind der Demokratie?

Von Andreas Hecht
  –  10 Dez. 2010 ,

Seit Dienstag dieser Woche ist die Galionsfigur von WikiLeaks bereits im englischen Wandsworth-Gefängnis inhaftiert, nachdem sich Julian Assange selbst den britischen Behörden gestellt hatte. Wie allgemein bekannt, wird Assange die Vergewaltigung zweier schwedischer Staatsbürgerinnen vorgeworfen, er selbst bestritt diesen Vorwurf jedoch stets. Nicht nur das mehr als ungewöhnliche Vorgehen der Briten mit internationaler Ausschreibung via Interpol und die Weigerung, den Grund der Festnahme vorab mitzuteilen, lässt an diesem Vorwurf Zweifel aufkommen.

In der heutigen Zeit reicht bereits der unbegründetet Vorwurf der Vergewaltigung, um das Leben eines Menschen vollends zu ruinieren. Um etwas Licht in das Dunkel der Vorwürfe und Beschuldigungen gegen Julian Assange und WikiLeaks zu bringen, schauen wir uns einmal WikiLeaks und das Motiv der Organisation näher an.

Julian Assange – der US Staatsfeind Nr. 1

Die Vereinigten Staaten von Amerika sehen Assange seit seinen wichtigen Enthüllungen über den Irak-Krieg bereits als Staatsfeind Nummer Eins und sähen ihn am liebsten tot. In diese Richtung äußerte sich zum Beispiel der Ex-Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee. Der Republikaner plädiert dafür, den WikiLeaks-Gründer wegen Verrats anzuklagen und hinzurichten zu lassen. Tom Flanagan, früherer Berater des kanadischen Premierministers, erklärte in einem Fernsehinterview, Assange sollte getötet werden.

Auch die Außenministerin Hillary Clinton (63) erklärte Assange öffentlich den Krieg.

Aufgrund dieser Informationen lässt sich leicht zum Schluss kommen, Assange und WikiLeaks seien nichts anderes als Terroristen und gehörten verfolgt und verurteilt als Feind der Demokratie. Ist dem jedoch wirklich so?

WikiLeaks selbst sieht sich als Hüter der Demokratie, als Enthüller von brutalen und unmenschlichen Geheimnissen, welche als Feind einer demokratischen Weltordnung angesehen werden kann. Wie weit kann man also WikiLeaks und Assange als journalistische Organisation ansehen und sie mit dem Mantel der Pressefreiheit zudecken?

Wie wichtig Wikileaks wirklich ist.

Demokratie funktioniert nur mit gewissen Regeln und einer gewissen Offenheit. Nicht alles jedoch ist veröffentlichungswürdig und als wichtig für die Erhaltung der Demokratie anzusehen. Mit den jüngsten Veröffentlichung von ca. 250.000 US-Botschaftsdepeschen hat sich WikiLeaks jedoch keinen Gefallen getan. Diese Berichte haben zwar durchaus einen gewissen Unterhaltungs- und Sensationswert, reichen aber nicht an den eigenen Anspruch von WikiLeaks heran und bieten keinerlei wirklich relevante Informationen, außer dass die USA ein gewaltiges Sicherheitsleck besitzt.

Für das Aufzeigen dieses gewaltigen Sicherheitslecks müsste die amerikanische Regierung den Aktivisten jedoch im höchstem Maße dankbar sein, denn wie kann es angehen, dass solcherlei Informationen einem Mannschaftsdienstgrad der US-Streitkräfte zugänglich sind? Millionen Amerikanern sind anscheinend als Geheim eingestufte Dokumente zugänglich, was man schon fast als Witz ansehen kann. Allein wegen dieses Hintergrunds sollte einem Drängen auf Auslieferung von Assange in die Staaten nicht nachgegeben werden.

Trotz allem muss WikiLeaks als extrem wichtig angesehen werden, denn WikiLeaks deckte schliesslich auch den unmenschlichen, brutalen und gegen alle Menschenrechte gehenden Akt der Amerikaner auf, indem es das Video Collateral Murder veröffentlichte, in welchem zu sehen ist, wie zwölf Personen grundlos und mit viel Spass erschossen wurden, darunter zwei irakische Journalisten, die für die Nachrichtenagentur Reuters arbeiteten.

Die USA mit solchen menschenunwürdigen Dingen durchkommen zu lassen hieße, der Demokratie zugunsten von Imperialismus und Autokratie eine Absage zu erteilen, wozu es definitiv niemals kommen darf.

An dem Gründungsmitglied der Wikileaks-Organisation Julian Assange ein Example statuieren zu wollen, bringt mitnichten etwas, die Organisation scheint nicht mehr zu stoppen zu sein. Die Server von WikiLeaks sind mittlerweile bereits weit über 1000 mal gespiegelt und unter zig Domains im Netz erreichbar. Technisch kann nicht mehr gegen die Organisation vorgegangen werden.

Fazit

Wir alle entscheiden, in welch einer Welt wir leben möchten und haben demzufolge die Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass solche Dinge nicht mehr passieren. Die Verpflichtung aufzustehen und zu sagen: Halt! Stopp! Bis hierhin und nicht weiter! Demokratie heißt die Staatsform, in der ich auch in Zukunft leben möchte.

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